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Fotoausstellung — Georg Wendt & Wolfgang Wittenburg

Momentum. Raum für Kunst

Der Fotograf Georg Wendt hat Künstler:innen exakt im Moment des Entstehens von deren Kunst fotografiert und direkt danach porträtiert. Der Texter Wolfgang Wittenburg hat sie begleitend dazu befragt. So konnte der sehr persönliche Moment des kreativen Arbeitens, vor und nach ihrem Schaffensprozess und im Kontext ihrer unterschiedlichen Umgebung wie im Atelier und auf der Bühne festgehalten werden.

  • Jeannine Platz in ihrem Atelier in Hamburg.
    Jeannine Platz in ihrem Atelier in Hamburg.

    Bei der Malerin, Kalligrafin und Performerin „geht es immer um Ausdruck“, und wenn sie eine Idee hat, kann sie das Warten nicht aushalten, sondern „ich setzte den Gedanken immer sofort aus dem Moment heraus um“. Ihre Kunst wird immer im Moment des Entstehens heraus geboren, auch mal mitten in der Nacht. Ihr Markenzeichen ist immer ein Lächeln im Gesicht – so erlebt sie in ihrem Hamburger Atelier im Schaufenster sitzend oder liegend immer wieder spannende Prozesse. 
    Spur um Spur, Wort um Wort, Farbe wird Bewegung, Bewegung wird Gedanke. Und mit der Zeit wird es dann still und ruhig, sie „macht einfach – und irgendwann ,sagt‘ mir das Werk, dass es fertig ist.“

    Kurztext — Wolfgang Wittenburg


  • Konstantin Wendt mit Model in seinem Atelier in Leipzig.
    Konstantin Wendt in seinem Atelier in Leipzig.

    Sein Atelier in seinem historischen Leipziger Altstadtwohnhaus ist für ihn „das größte Drehkreuz, ohne das gar nichts geht“. Eine andere „Malmaschine“ ist für ihn die Natur, „ein kleines Häuschen in Italien, wo ich mit Glück für eine Zeit lang unterkomme“. Sein Prinzip beim künstlerischen Arbeiten – Porträt oder Naturlandschaft – ist „die Reihenfolge sehen, denken, malen“. 
    Augen sammeln Momente, Gedanken geben ihnen eine Form, und die Hand lässt sie auf der Leinwand sichtbar werden. Diese Momenti begleiten das Malen und machen für ihn auch eine Leidenschaft aus. Seine Kunst entsteht, „wenn ich das dargestellt habe, was ich ausdrücken wollte und wenn das schließlich alles überstrahlt“.

    Kurztext — Wolfgang Wittenburg


  • Pierre Boom im Sächsischen Staatsarchiv in Leipzig.
    Pierre Boom an der Außenalster in Hamburg.

    In seinem 17. Lebensjahr – mit der plötzlichen Verhaftung seiner Eltern – beginnt für den Sohn vom DDR-Spion-Paar Günter und Christel Guillaume die Suche nach dem Warum. Immer mal wieder und unterschiedlich intensiv bestimmt es sein Dasein, denn „ich befasse mich mit dem Leben meiner Eltern und mit dem Fall Guillaume“. 
    Manchmal öffnet sich ein Archiv, eine vergilbte Spur, ein Satz aus einer vergangenen Zeit. Und für einen Augenblick scheint die Vergangenheit zu sprechen. In Staats-Archiven erlebt der Wahl-Hamburger dabei immer wieder besondere Momente seiner Vergangenheitsbewältigung, „wenn ich etwas Neues erfahre, was aber gleichzeitig wieder neue Fragen aufwirft“.

    Kurztext — Wolfgang Wittenburg


  • Titus Schade in seinem Atelier in Leipzig.
    Titus Schade in seinem Atelier in Leipzig.

    Stetigkeit verbindet den Nicht-Freund von großer Veränderung seit 14 Jahren mit seinem eher unruhig wirkendem Atelier in Leipzigs „Alte Baumwollspinnerei“. Der Raum verfügt über „eine bestimmten Aura, in der ich mich wohl fühle“. Gearbeitet wird darin stets ernsthaft und – typisch für ihn – mit Tausenden von Abklebestreifen, die den Platz später auch überall zieren. Ein besonderes Momentum ist für ihn jedesmal „die Idee zum Bild und eine Dringlichkeit, die das Bild hervorrufen will“. Der Entstehungsprozess kann sich über Wochen ziehen. Er folgt ihm durch Tage und Zweifel, bis irgendwann nichts mehr ruft. Das Bild schweigt, „ein schöner Moment, wenn das Bild nichts mehr von mir verlangt und fertig ist.“

    Kurztext — Wolfgang Wittenburg


  • Corinne von Lebusa in ihrem Atelier in Leipzig.
    Corinne von Lebusa in ihrem Atelier in Leipzig.

    Ihr helles Atelier ist ein gemütlicher Teil von Leipzigs „Alte Baumwollspinnerei“ und sie bezeichnet es als „beschützten Ort, als Rückzugsort und als Kinderzimmer“. Kreativität entsteht bei ihr oftmals beim Duft von Lavendel-Nadelholz-Öl und Musik läuft von „Blonde Redhead“, „wenn ich verschwinde, mich aus der Zeitlinie heraus bewege“. 
    Die Hände wissen längst, was der Kopf noch sucht – so entsteht ihre Kunst und geht langsam weiter, „bis zu dem schönen Moment, wenn ich merke, es braucht nicht noch mehr. Es braucht nichts andres – und jetzt ist es fertig!“

    Kurztext — Wolfgang Wittenburg


  • Jeremy Mockridge auf der Probebühne im Thalia-Theater in Hamburg.
    Jeremy Mockridge hinter der Probebühne im Thalia-Theater in Hamburg.

    Auf der Probenbühne vom Hamburger „Thalia in der Gaußstraße“ entsteht seine Kreativität und wichtig sind ihm generell und auch bei seinen aktuellen Stücken „Hard Times“ von Charles Dickens und „Deutsches Haus“ von Annette Hess, „das Kostüm, der Raum und die Menschen, mit denen ich ihn teile“. Der schöpferische Moment ist für ihn fast spannender, als die Vorstellung, weil die für ihn „in großen Teilen auch mit Verabredung zu tun hat“.
    Im Suchen, im Wagnis und im gemeinsamen Erfinden ist „die Probe noch nicht erforschtes Gebiet und man trifft mutig seine Entscheidungen, eine nach der anderen.“

    Kurztext — Wolfgang Wittenburg